Zum Inhalt springen

Geheime Aufrüstung

Mit dem »Zweiten Rüstungsprogramm«, das die Reichsregierung im Frühjahr 1932 beschlossen hatte, wurde die auf modernen industriellen Fertigungsverfahren basierende heimliche Aufrüstung des Deutschen Reichs fortgesetzt. Eigentlich war nach der Niederlage im Ersten Weltkrieg von den alliierten Siegermächten im Friedensvertrag von Versailles für das Deutsche Reich eine Beschränkung des Heeres auf eine Berufsarmee mit maximal 100.000 Mann festgelegt worden. Die Marine wurde auf 15.000 Mann beschränkt. Der Aufbau von Luftstreitkräften war verboten.

Geheime Aufrüstung

Mit dem »Zweiten Rüstungsprogramm«, das die Reichsregierung im Frühjahr 1932 beschlossen hatte, wurde die auf modernen industriellen Fertigungsverfahren basierende heimliche Aufrüstung des Deutschen Reichs fortgesetzt. Eigentlich war nach der Niederlage im Ersten Weltkrieg von den alliierten Siegermächten im Friedensvertrag von Versailles für das Deutsche Reich eine Beschränkung des Heeres auf eine Berufsarmee mit maximal 100.000 Mann festgelegt worden. Die Marine wurde auf 15.000 Mann beschränkt. Der Aufbau von Luftstreitkräften war verboten.

Heimliche Rüstungsanstrengungen zur Umgehung des Friedensvertrages hatte bereits das am 29. September 1928 unter Reichskanzler Hermann Müller (1876–1931) von der SPD verabschiedete »Erste Rüstungsprogramm« intendiert. Nun wurde 1932 die Aufstellung eines 21-Divisonen-Heeres, dessen Ausrüstung mit Waffen und Munition sowie einer Luftwaffe mit 150 Flugzeugen konzipiert. Das langfristige Ziel der Reichswehrführung waren 102 Divisionen mit bis zu drei Millionen Soldaten.

Bereits seit 1921 gab es dazu eine geheime Zusammenarbeit mit der Sowjetunion. Ab 1925 wurde in der russischen Stadt Lipezk gemeinsam mit der Roten Armee eine Fliegerschule betrieben. Eine gemeinsame Panzerschule gab es in Kazan (»Kama«) und eine Forschungs- und Erprobungsstätte für den Gaskampf bei Volsk (»Tomka«).

OKH / Generalstab des Heeres – Bildbestand. © Bundesarchiv
Windiges aus der deutschen Luftfahrt

Bei Lipezk in der UdSSR betrieb die Reichswehr eine geheime Fliegerschule und Erprobungsstätte. Abgebildet sind die als Aufklärungsflugzeuge konzipierten Doppeldecker »Heinkel HD 17« (um 1927).

Zeitgemässe Gebrauchsartikel

Die einzige Branche,
in der das Geschäft noch flutscht … !

Mit seiner Karikatur kritisiert Duwdiwani, dass mitten in der Wirtschaftskrise von 1932 mit einer Arbeitslosenquote von 30,8 % ausgerechnet die Produktion von Rüstungsgütern floriert.

Roter Pfeffer, 5. Jg. / Heft 4, 15.4.1932, S. 9
Titelblatt der Ausgabe der Weltbühne vom 12. März 1929. Wikipedia Free Commons
Landesverrat

Unter dem Pseudonym »Heinz Jäger« hatte Carl von Ossietzky (1889–1938) im Jahr 1929 den Artikel »Windiges aus der deutschen Luftfahrt« über die geheime Aufrüstung verfasst. Im »Weltbühne-Prozess« wurde er dafür 1931 zu 18 Monaten Freiheitsstrafe wegen Landesverrats verurteilt.

Fotosammlung VEB Fahrzeug- und Jagdwaffenwerk Suhl. Landesarchiv Thüringen – Staatsarchiv Meiningen
Rüstungsbetrieb in Suhl

Das Thüringer Unternehmen »Simson« in Suhl war seit 1925 alleiniger Produzent von leichten Maschinengewehren, Gewehren, Karabinern und Pistolen für den militärischen Bedarf im Deutschen Reich. Das Werk in jüdischem Besitz wurde kurz nach der Machtübernahme durch den Thüringer Gauleiter und Reichsstatthalter Fritz Sauckel (1894–1946) enteignet und zum Grundstock des 1936 gegründeten Rüstungskonzerns »Wilhelm-Gustloff-Stiftung«.

Werner Boldt: Carl von Ossietzky (1889–1938). Bremen 2020.

David Brown: What’s in a Name? Dennis Baum and the Simson Company. Leo Baeck Institut 2014.
Online: https://www.lbi.org/news/whats-in-a-name-dennis-baum-and-the-simson-company/

Gerhard Jungfer / Ingo Müller: 70 Jahre Weltbühnen-Urteil. In: Neue Juristische Wochenschrift (NJW) 2001, S. 3461–3465.

Dieter Lang, Staat: Recht und Justiz im Kommentar der Zeitschrift »Die Weltbühne«. Frankfurt a. M. 1996.

Rolf-Dieter Müller / Hans-Erich Volkmann: Die Wehrmacht. Mythos und Realität. Hg. im Auftrag des Militärgeschichtlichen Forschungsamts. München 1999.

Bernhard Sauer: Schwarze Reichswehr und Fememorde. Eine Milieustudie zum Rechtsradikalismus in der Weimarer Republik. Berlin 2004.

Ulrike Schulz: Simson. Vom unwahrscheinlichen Überleben eines Unternehmens 1856–1993. Göttingen 2013.

Dimitri Alexejewitsch Sobolew: Deutsche Spuren in der sowjetischen Luftfahrtgeschichte. Die Teilnahme deutscher Firmen und Fachleute an der Luftfahrtentwicklung in der UdSSR. Hamburg/Berlin/Bonn 2000.

Rainer Wohlfeil / Edgar Graf v. Matuschka: Reichswehr und Republik (1918–1933). Handbuch zur deutschen Militärgeschichte 1648–1939. 4. Lieferung – VI. Hg. im Auftrag des Militärgeschichtlichen Forschungsamts. Frankfurt a. M. 1970.