Film und Podcast

Lebensweg und Wiederentdeckung

Lebensstationen des Jecheskiel David Kirszenbaums

Jecheskiel David Kirszenbaums Lebensweg führt in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts durch drei europäische Länder, in denen er lebt und arbeitet. Quer durch Europa geht es von Polen nach Deutschland und von dort weiter nach Frankreich. Keine dieser Veränderungen ist geplant oder gewollt, stets muss Kirszenbaum der Not gehorchen und Liebgewonnenes verlassen. Die politischen Gegebenheiten sind dem sensiblen Künstler nicht gewogen – Vertreibung, Flucht und Elend sind stets seine Wegbegleiter. Dennoch findet er trotz aller Zwänge letztlich immer wieder die Kraft, aus den Ortswechseln kreative Impulse zu gewinnen, die sein künstlerisches Schaffen beeinflussen. Er ist – gewollt oder ungewollt – ein »europäischer« Künstler. In diesem Video werden Kirszenbaums Lebensstationen nachgezeichnet.

Chazkele

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Jecheskiel »Chazkele« David Kirszenbaum​

Im Jahr 1900 wird im Shtetl Staszów im heutigen Polen Jecheskiel »Chazkele« David Kirszenbaum als letztes Kind einer kinderreichen, aber bitterarmen Familie geboren. Seine Eltern sind der Rabbiner Natan Meir und dessen Ehefrau Rachel Alta. Seit frühester Kindheit hat Chazkele Augen für die ihn umgebenden Menschen, für die Wasser- und Lastenträger, die Schneider, die Betenden, die Ärmsten der Armen, die Versehrten und Verwirrten. Das von Hand geschaffene Denkmal in Staszów, vor dem die Christen ihre Hüte abnehmen und niederknien, die Ornamente an der Ostwand der Synagoge und die verzierten Ritualgegenstände gefallen ihm gut und beleben seine Phantasie. Kirszenbaum wächst als Sohn des Rabbiners mit der Bestimmung auf, ein »Stern des Volkes Israel« zu werden. Doch er liebt es zu träumen, zu zeichnen, zu malen und die (weltlichen) Bücher der großen jiddischen Dichter zu lesen …

Die Wiederentdeckung J. D. Kirszenbaums und das Überleben der Familie Diament Teil 1
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Die Wiederentdeckung J. D. Kirszenbaums und das Überleben der Familie Diament Teil 2
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Die Wiederentdeckung J. D. Kirszenbaums und das Überleben der Familie Diament

Nathan Diament (Foto: Feix Rettberg)

Nachdem sich Nathan Diament im Jahre 2005 von seinem Berufsleben in Wirtschaft und Verwaltung zurückzog und seine Mutter Lea und seine Tante Rachel gestorben waren, widmete er sich gemeinsam mit seinem Bruder Amos der Wiederentdeckung des Werkes von J. D. Kirszenbaum, seines Großonkels.

Amos und Nathan Diament waren mit Arbeiten Kirszenbaums an den Wänden ihres Zuhauses aufgewachsen. Mit 66 Jahren begann Nathan für zwei Jahre Kunstgeschichte zu studieren, um das Schaffen seines Großonkels besser zu verstehen. Er nahm Kontakt zu Archiven und Museen auf, die aus ihren Kellern und Magazinen Werke Kirszenbaums ans Tageslicht brachten. In der Folge organisierte Nathan Diament Ausstellungen und veröffentlichte ein Buch über den Maler Kirszenbaum: J. D. Kirszenbaum (1900 – 1954) The Lost Generation – La Génération Perdue, Somogy Editions D’Art, Paris/Tel Aviv 2013.

Nathan und Amos setzen sich bis heute dafür ein, dass das Werk Kirszenbaums den ihm gebührenden Platz in der Geschichte der modernen jüdischen Kunst erhält.

Nathan Diament wurde 1938 in Brüssel geboren, nachdem seine Eltern Josek Diament und Gitla Laja Albaum (Kirszenbaum) aus Polen nach Belgien geflohen waren. Als Nathan vier Jahre alt war, mussten seine Eltern ihn und seinen kleinen Bruder Amos in die Hände von christlichen Menschen geben, die die beiden Jungen vor dem Zugriff der Nazis bewahrten. Die Eltern wurden auf einem Dachboden versteckt.  Wie der älteste Bruder Jakob überlebte, wurde – wie über viele schmerzliche Erlebnisse der Shoah – nie besprochen.