Der Parteiideologe Gottfried Feder und das Programm der NSDAP

Bei einer Veranstaltung der »Deutschen Arbeiterpartei« (DAP) stellte Adolf Hitler am 24. Februar 1920 im Hofbräuhaus in München vor rund 2.000 Besuchern ein 25-Punkte-Programm vor. Am selben Abend nannte sich die DAP in »Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei« (NSDAP) um.

Der Parteiideologe Gottfried Feder und das Programm der NSDAP

Bei einer Veranstaltung der »Deutschen Arbeiterpartei« (DAP) stellte Adolf Hitler am 24. Februar 1920 im Hofbräuhaus in München vor rund 2.000 Besuchern ein 25-Punkte-Programm vor. Am selben Abend nannte sich die DAP in »Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei« (NSDAP) um.

Dieses 25-Punkte-Programm war ein Sammelsurium an Forderungen nationalistischer und völkischer Gruppierungen, des Mittelstandes wie auch der extremen Linken, um eine möglichst breite Wählerschaft anzusprechen. So wurde die Ablehnung des Versailler Friedensvertrages und die Rückgabe der Kolonien ebenso gefordert wie ein »Ausbau der Alters-Versorgung«, die »Kommunalisierung von Groß-Warenhäusern«, die »Brechung der Zinsknechtschaft« und eine Verstaatlichung von Großunternehmen. Menschen jüdischer Abstammung wurde das Recht auf die deutsche Staatsbürgerschaft abgesprochen.

Stadtarchiv München
Gastredner Hitler

Werbeplakat für die Kundgebung im Münchner Hofbräuhaus, auf der Adolf Hitler am 24. Februar 1920 als Gastredner sprach und das 25-Punkte-Programm der nun in »NSDAP« umbenannten Partei vorstellte.

Der Parteiideologe Gottfried Feder (1883–1941) hatte vermutlich die wirtschaftspolitischen Zielsetzungen mitformuliert. Durch die Annäherung Hitlers an die Hochfinanz und die Großindustrie sah Feder den von ihm verfolgten aggressiven Antikapitalismus verraten, den er 1933 noch einmal in seiner Schrift »Kampf gegen die Hochfinanz« forderte. Nachdem er verschiedene Partei- und Staatsämter bekleidet hatte, wurde er von Hitler politisch entmachtet und schließlich 1936 auf einen Lehrstuhl an der Technischen Hochschule in Berlin abgeschoben.

Roter Pfeffer, 5. Jg. / 1932, H. 5 v. 15.5.1932, S. 2
Der Programmredner

»Juden raus! System-Sozialismus! Schutz des Privateigentums / Legal, legaler am legalsten! Köpfe müssen rollen! Youngsklaverei! Erfüllung nach Maßgabe des Möglichen«

Und wenn dir mal dein Geist nicht reicht, Quatschst du nach Feder federleicht …

Duwdiwani karikierte Gottfried Feders widersprüchliche Phrasen, mit denen die NSDAP um Wähler warb. Als Vorlage nutzte er seine Karikatur »Pädagogik« in der »Jugend« von 1930.

Roter Pfeffer, 5. Jg. / H. 9 v. 15.9.1932, S. 15
Adolfs »Katechismus der Bewegung«


Auf Betreiben der Kapitalisten wurde das Federsche »unveränderliche Programm der NSDAP.« wieder einmal in wesentlichen Punkten geändert.

Der SA.-Mann: »Die Haare sträuben sich, aber nicht der Feder…!«

Hitler sprach am 26. Januar 1932 mit großem Erfolg im Düsseldorfer Industrieclub vor rund 650 Zuhörern. Diese Annäherung Hitlers an das Großkapital und damit die Preisgabe von Teilen des Parteiprogramms wurde nicht von allen Teilen der NSDAP unterstützt. Zum einen waren es Parteimitglieder um den zunehmend entmachteten Gottfried Feder, die eine Art nationalistischen Sozialismus anstrebten. Zum anderen wollte die SA sich unter ihrem Stabschef Ernst Röhm (1887–1934) zu einer »revolutionären Volksmiliz« entwickeln und an die Stelle der Reichswehr treten. Beide Tendenzen waren jedoch nicht im Interesse der Wirtschaft. Röhm wurde am 1. Juli 1934 auf Befehl Hitlers im Gefängnis Stadelheim in München erschossen.

Oliver Das Gupta: NSDAP-Gründung. Hitlers Wurf im Hofbräuhaus. In: Süddeutsche Zeitung vom 24.2.2010.
Online: https://www.sueddeutsche.de/politik/hitler-hofbraeuhaus-nsdap-1.13010

Wilhelm Mensing: Einem deutschen Sowjetbürger wird bei Stalin das Schreiben abgewöhnt. Aus dem Leben des Dresdner jüdischen Schriftstellers Helmut Weiß. In: Exil – Forschung. Erkenntnisse. Ergebnisse. Nr. 2, 2003, S. 34 ff.

Gerhard Senft: Antikapitalismus von Rechts? Eine Abrechnung mit Gottfried Feders »Brechung der Zinsknechtschaft«. In: Zeitschrift für Sozialökonomie, 106. Folge/1995, S. 18 – 32.

Henry Ashby Turner (Hg.): Legende und Wirklichkeit. Hitlers Rede vor dem Düsseldorfer Industrie-Club am 26. Januar 1932. Düsseldorf 2001.

Albrecht Tyrell: Gottfried Feder – Der gescheiterte Programmatiker. In: Ronald Smelser/Rainer Zitelmann (Hg.): Die braune Elite. 22 biographische Skizzen. Darmstadt 1989, S. 28 – 40.