Der Mann in der neuen Zeit

Männer aller sozialen Schichten hatten in den Zwanzigerjahren Probleme, sich auf die neue rechtliche Stellung und das gewachsene Selbstbewusstsein der Frauen in der Weimarer Republik einzustellen. Duwdiwani kommentiert das in zahlreichen Karikaturen, die sowohl Spott als auch Mitgefühl spüren lassen.

Der Mann in der neuen Zeit

Männer aller sozialen Schichten hatten in den Zwanzigerjahren Probleme, sich auf die neue rechtliche Stellung und das gewachsene Selbstbewusstsein der Frauen in der Weimarer Republik einzustellen. Duwdiwani kommentiert das in zahlreichen Karikaturen, die sowohl Spott als auch Mitgefühl spüren lassen.

Eheliche Gewalt

»Wenn du deine Frau prügeln willst, Hein, bloss nich in de Küch – meine nimmt immer glicks den Feuerhaken.«

Ein gewalttätiger Ehemann musste offensichtlich die Erfahrung machen, dass seine Ehefrau sich nun zu wehren wusste und dabei auch zum Feuerhaken griff.

ULK, 55. Jg. / Nr. 36, 10.9.1926, S. 274
ULK, 55. Jg. / Nr. 46, 19.11.1926, S. 355. Deutsche Nationalbibliothek Leipzig
Der Perverse

»Weisst du, so’n Verhältnis mit ’ner Schaufensterpuppe wäre mein Ideal.«

Weniger kompliziert als der Umgang mit seiner modisch gekleideten und sehr selbstbewusst wirkenden Begleiterin erscheint dem eleganten Herrn in der Karikatur eine Beziehung zu einer Schaufensterpuppe.

Ein Opfer der Moral

»Immer neuer Schmutz und Schund, und dabei dreht mir meine Frau nachts um zwölf die Bettlampe aus!«

Groschenromane, Schmuddelheftchen unter der Ladentheke und »Aufklärungsschriften« mit barbusigen Frauen hatten in den Zwanzigerjahren Konjunktur. Als staatliche Gegenmaßnahme verabschiedete Reichspräsident von Hindenburg das »Gesetz zur Bewahrung der Jugend vor Schund- und Schmutzschriften«, das am 7. Januar 1927 in Kraft trat, von vielen Kulturschaffenden aber eher als Zensurmaßnahme betrachtet wurde.
In der Karikatur von Duwdiwani hindern zusätzliche Zensurmaßnamen der Ehefrau einen Spießer, sich selbst den gewünschten Überblick zu verschaffen.

ULK, 58. Jg. / Nr. 10, 8.3.1929, S. 78
ULK, 55. Jg. / Nr. 36, 10.9.1926, S. 274
Harald Lloyd

»Also, ich schwöre dir – ohne Hornbrille hätte mich Frieda nie genommen.
Sie schwärmt für Harald Lloyd!«

Harald Lloyd (1893–1971) war einer der großen Stars des amerikanischen Films, dem Ende der Zwanzigerjahre auch der Übergang vom Stummfilm zum Tonfilm gelang. Er verkörperte in den meisten seiner fast 200 Filme den jungen Mann, der nach Glück und Erfolg strebte. Sein Markenzeichen war eine runde Brille, die dadurch zu einem unverzichtbaren Modeaccessoire für den modernen Mann wurde.

Phrenologie

»Dieses Hügelchen am Hinterkopf beweist, daß Sie stark sinnlich veranlagt sind.« »Sagen’se det um Jotteswillen nich meiner Frau, sonst jloobt sie’s!«

Der württembergische Arzt Franz Gall (1758–1828) war Begründer der Phrenologie, der Lehre, dass an der Schädelform Charaktereigenschaften ablesbar seien. Dies hatte zur Folge, dass im 19. Jahrhundert sowohl die Schädel berüchtigter Verbrecher wie der des legendären Räubers Schinderhannes (1779–1803) oder aber auch der des Komponisten Joseph Haydn (1732–1809) zu Studienzwecken dienen sollten.
Mit der Schädelsammlung im Hintergrund erschreckt die Diagnose einer starken Sinnlichkeit den Untersuchten, zumal der Arzt auch noch stark an den in den Zwanzigerjahren wieder heftig diskutierten Psychoanalytiker Sigmund Freud (1856–1939) erinnert. Dieser veröffentlichte ein Jahr später seine Schrift »Das Unbehagen in der Kultur«, in der er sich mit dem Lustprinzip beschäftigte.

Jugend, 34. Jg. / 1929, Nr. 35, S. 565

Gabriele Metzler / Dirk Schumann (Hg.): Geschlechter(un)ordnung und Politik in der Weimarer Republik. Bonn 2016.

Adelheid Rasche: Der männliche Blick. Das Bild der »Neuen Frau« in Männer-Zeitschriften. In: QUERELLES. Jahrbuch für Frauen- und Geschlechterforschung. 2006/Nr. 11, S. 118–132.

Änne Söll: Mode und Männlichkeit in den Lifestyle- und Männermodezeitschriften der Weimarer Republik. In: Katja Leiskau / Patrick Rössler / Susann Trabert (Hg.): Deutsche illustrierte Presse. Journalismus und visuelle Kultur in der Weimarer Republik (= Mediengeschichte – Media History – Histoire des médias, Bd. 1). Baden-Baden 2016, S. 255–274.

Änne Söll: Der Neue Mann? Männerporträts von Otto Dix, Christian Schad und Anton Räderscheidt 1914–1930. Paderborn 2016.