»Der blaue Engel«

Der Film »Der blaue Engel« kam im April 1930 als einer der ersten deutschen Tonfilme in die Kinos. Offensichtlich hatte Duwdiwani gleich eine der ersten Aufführungen besucht und umgehend als Anregung für eine Karikatur in der Zeitschrift »Jugend« genutzt.

»Der blaue Engel«

Der Film »Der blaue Engel« kam im April 1930 als einer der ersten deutschen Tonfilme in die Kinos. Offensichtlich hatte Duwdiwani gleich eine der ersten Aufführungen besucht und umgehend als Anregung für eine Karikatur in der Zeitschrift »Jugend« genutzt.

Jugend, 35. Jg. / 1930, Nr. 21 Seite 333
Pädagogik

»Um Sie gegen die Pest der modernen Literatur fürs ganze Leben so recht gefeit zu machen, wollen wir nunmehr den ›Professor Unrat‹ ins Lateinische übersetzen.«

 

Vorlage des Films war der 1905 erschienene Roman »Professor Unrat. Das Ende eines Tyrannen« von Heinrich Mann (1871–1950), der in dem Buch das Bildungsbürgertum des Wilhelminischen Deutschlands und dessen Doppelmoral kritisiert. Der Roman handelt von einem Gymnasiallehrer, der seine Schüler mit Aufgaben quält, die sie überfordern. Als er bei einem Schüler das Autogrammfoto der Varieté-Sängerin Lola entdeckt, macht er sich abends auf, um seine Schüler in flagranti in dem anrüchigen Lokal »Der blaue Engel« zu überraschen. Dort verliebt er sich jedoch in die Künstlerin, was seinen finanziellen und gesellschaftlichen Ruin einleitet.

© Murnau-Stiftung
Emil Jannings (1884–1950) als Professor Unrat in »Der blaue Engel«, 1930

Neben der Körperhaltung des Professors und dem Katheder finden sich auch die beiden Schultafeln aus dem Film in der Karikatur wieder.

© Deutsches Historisches Museum, Berlin
Marlene Dietrich als »fesche Lola« in »Der blaue Engel«

Die Varieté-Sängerin Lola, die dem Pädagogen zum Unglück werden soll, spielte die damals noch unbekannte Marlene Dietrich (1901–1992). Sie hatte sich ab 1920 zwei Jahre in Weimar als Konzertgeigerin ausbilden lassen. Diesen Unterricht musste die junge Frau aus Gesundheitsgründen abbrechen, woraufhin sie eine Karriere beim Film einschlug. Während der Weimarer Zeit hatte Marlene Dietrich Kontakte zum Staatlichen Bauhaus und begann auch selbst zu malen.

Marlene Dietrich in Weimar, 1921

Bleistiftskizze von Fritz Neuenhahn (1888–1947)

Repro: Maik Schuck. © Stadtmuseum Weimar

Andrea Bartl: »Alles verpestet!« Strukturen der Kontamination in Josef von Sternbergs »Der blaue Engel« und Heinrich Manns »Professor Unrat«. In: Heinrich Mann-Jahrbuch 36/37 (2018/2019), S. 35–61.

Michael Grisko: Der blaue Engel. Hg. von der Landeszentrale für polit. Bildung Thüringen (= Geschichte hinter dem Bild). Erfurt 2021.

Volker Kühn: Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt. Ein Schimmel geht um die Welt. Dossier »Sound des Jahrhunderts« der Bundeszentrale für politische Bildung 2016.
Online: https://www.bpb.de/geschichte/zeitgeschichte/sound-des-jahrhunderts/210233/von-kopf-bis-fuss-auf-liebe-eingestellt

Heinrich Mann: Professor Unrat oder Das Ende eines Tyrannen. Roman. München 1905.

Heinrich Mann: Professor Unrat oder Das Ende eines Tyrannen. Hg. von Ariane Martin bei Reclam. Ditzingen 2021.

Josef von Sternberg: Das Blau des Engels. München 1991.

Volker Wahl: Sie war »von Kopf bis Fuß« auf Weimar eingestellt. Marlene Dietrich als private Musikschülerin in der Goethestadt 1920/21. In: Beiträge zur Weimarer Geschichte 2021, S. 9–36.