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Der Siegeszug des Radios

Die Ausstrahlung der ersten Unterhaltungssendung aus dem Vox-Haus in Berlin am 29. Oktober 1923 gilt als die Geburtsstunde des deutschen Rundfunks. Erst am 19. September 1923 hatte Dr. Hans Bredow (1879–1959), Staatssekretär für das Telegrafen-, Fernsprech- und Funkwesen, den Postdirektor des Telegraphentechnischen Reichsamtes (TRA), Friedrich Weichart (1893–1979), mit der Einrichtung eines Senders beauftragt.

Zum Jahresbeginn 1924 gab es bereits 1580 zahlende Rundfunkteilnehmer in Deutschland.

Der Siegeszug des Radios

Die Ausstrahlung der ersten Unterhaltungssendung aus dem Vox-Haus in Berlin am 29. Oktober 1923 gilt als die Geburtsstunde des deutschen Rundfunks. Erst am 19. September 1923 hatte Dr. Hans Bredow (1879–1959), Staatssekretär für das Telegrafen-, Fernsprech- und Funkwesen, den Postdirektor des Telegraphentechnischen Reichsamtes (TRA), Friedrich Weichart (1893–1979), mit der Einrichtung eines Senders beauftragt.

Zum Jahresbeginn 1924 gab es bereits 1580 zahlende Rundfunkteilnehmer in Deutschland.

Foto: Georg Pahl. © Bundesarchiv
Weihnachtsansprache

Der Reichskanzler Dr. Wilhelm Marx (links sitzend) nutzte 1923 erstmalig das Radio für eine Weihnachtsproklamation. Rechts daneben die Abgeordneten Dr. Ernst Wilhelm Scholz (Vorsitzender der DVP-Fraktion) und Paul Fleischer (Zentrum).

Friedrich Weichart erinnert sich an die erste Sendung:

»›Achtung, Achtung, hier ist Berlin auf Welle 400 m!‹ so klang es in den Raum hinaus. Und dann spielte Otto Urack einige Stücke auf dem Cello, darunter die damals unvermeidliche ›Träumerei‹ von Schumann, Rudolf Deman meisterte die Geige und der Tenor Alfred Wilde trug einige Arien vor. Dazwischen kamen einige Grammophonplatten, damals noch ohne den – allerdings schon bald danach auftauchenden – elektrischen ›Tonabnehmer‹. Und als dann am Schluß der Darbietungen nach dem Deutschlandliede (ebenfalls eine Schallplattenwiedergabe!) das ›Wir wünschen Ihnen eine gute Nacht! Vergessen Sie bitte nicht, die Antenne zu erden!‹ erklang, da ward aus Abend und Rundfunk der erste Rundfunktag.«

Schon möglich

»Sagen Sie mal – ich höre da immer summen – gehört das vielleicht schon zu dem Vortrag über ›Bienenzucht‹?« – »Nein, der Vortrag ist noch nicht dran. Entweder ist es die Ouvertüre zur neuesten Oper oder aber der Maschinist im Sendehaus hat Ohrensausen!«

Das Radiohören war zunächst nur mit Detektoren-Empfängern, die mit der Energie der vom Sender ausgestrahlten elektromagnetischen Wellen betrieben wurden, unter Zuhilfenahme von Kopfhörern und in sehr mäßiger Qualität möglich. Das neue Medium war den Menschen noch fremd – und sorgte für allerlei Unsicherheiten.

ULK, 55. Jg. / Nr. 21, 28.5.1926, S. 158
ULK, 55. Jg./Nr. 37, 17.9.1926, S. 286
Im Jahre 2000

»Schöne Zustände! Gerade soll’s gemütlich werden, da klappt mich meine Olle per Lautsprecher!«

Ab 1926 setzten sich allmählich Röhrengeräte mit eigener Stromversorgung durch, die auch über Lautsprecher verfügten. In seiner Kommentierung der Entwicklung des öffentlichen Hörens scheint es fast so, als habe der Karikaturist Duwdiwani bereits schon so etwas wie unsere allgegenwärtige Erreichbarkeit im Zeitalter des Smartphones auf das Jahr genau vorausgeahnt.

Musikgenuss im Café

Der Bäckermeister Anton Wigge (1888–1975) erwarb 1924 in Schwerte an der Ruhr eine der ersten Radio-Hörer-Lizenzen und stattete sein Café mit 50 Kopfhörern aus, die an Drähten von der Decke baumelten.

Repro: Reinhard Schmitz

Konrad Dussel: Deutsche Rundfunkgeschichte. Eine Einführung. 3. überarb. Aufl. Konstanz 2010.

Joachim-Felix Leonhard: Programmgeschichte des Hörfunks in der Weimarer Republik. München 1997.

Inge Marßolek/Adelheid von Saldern (Hg.): Radiozeiten. Herrschaft, Alltag, Gesellschaft (1924–1960). Potsdam 1999.

Bremer Rundfunkmuseum.
Online: www.bremer-rundfunkmuseum.de

Sender- und Funktechnikmuseum Rundfunkstadt Königs Wusterhausen
Online: https://museum.funkerberg.de/museum/