Goethe-Gedenkfeier 1932

Zu Jahresbeginn 1932 wurden in Deutschland zahlreiche Veranstaltungen anlässlich des 100. Todestages von Johann Wolfgang von Goethe am 22. März vorbereitet. Als zentrale Veranstaltung fand in Weimar eine »Goethe-Gedächtniswoche« einschließlich einer »Reichsgedenkfeier« statt. Aber gerade in Weimar waren unter dem nationalsozialistischen Innen- und Volksbildungsminister Wilhelm Frick (1877–1946) ab 1930 missliebige Kunstgegenstände beseitigt und Literatur verboten worden.

Goethe-Gedenkfeier 1932

Zu Jahresbeginn 1932 wurden in Deutschland zahlreiche Veranstaltungen anlässlich des 100. Todestages von Johann Wolfgang von Goethe am 22. März vorbereitet. Als zentrale Veranstaltung fand in Weimar eine »Goethe-Gedächtniswoche« einschließlich einer »Reichsgedenkfeier« statt. Aber gerade in Weimar waren unter dem nationalsozialistischen Innen- und Volksbildungsminister Wilhelm Frick (1877–1946) ab 1930 missliebige Kunstgegenstände beseitigt und Literatur verboten worden.

Dies inspirierte Kirszenbaum vermutlich dazu, in einem Brief an seinen Freund Paul Citroen vom Januar 1932 einen Goethe zu zeichnen, der sich demonstrativ von den Nationalsozialisten abwendet.

Das bekannte Porträt Goethes, das Joseph Karl Stieler (1781–1858) im Jahr 1828 gemalt hatte, diente vermutlich als Anregung für die Karikatur.

Johann Wolfgang von Goethe (1749 – 1832)
Neue Pinakothek, München. Wikimedia Commons
Brief an Paul Citroen vom 2. Januar 1932. © Bauhaus-Archiv Berlin

»Biologische Prüffung des Deutschen Geistes im Jahre 1932 / Der schöne Adolf [Hitler] als Akrobat«

Hinter dem Rücken Goethes ist Adolf Hitler zu sehen. Als »Akrobat« trägt er »Auwi«, den Prinzen August Wilhelm von Preußen (1887–1949), der Standartenführer der SA gewesen war, sowie den Reichspropagandaleiter der NSDAP Joseph Goebbels (1897–1945) auf seinen Schultern.

Republikanisches Gedenken

Der Festzug anlässlich der Reichsgedenkfeier am 22. März 1932 an der Weimarer Fürstengruft mit Staatssekretär Dr. Otto Meissner (1880–1953) als Vertreter des Reichspräsidenten,
Großherzogin Feodora (1890–1972) und Reichkanzler Heinrich Brüning (1885–1970) an der Spitze (v.l.n.r.). Der Reichskunstwart Edwin Redslob (1884–1973) kommentierte die Veranstaltung: »Wir begraben hier die Republik«. Die Nationalsozialisten hingegen boykottierten die offiziellen Gedenkfeiern wegen ihres angeblich republikanischen Grundtons.

Foto: Atlantic-Photo-Gesellschaft m.b.H., Berlin. © Klassik Stiftung Weimar
© Meininger Museen
Die NSDAP vereinnahmt Goethe

Bei einer nationalsozialistischen Gegenveranstaltung am 20. März 1930 in Weimar erläuterte Dr. Hans Severus Ziegler (1893–1978), später Generalintendant des Deutschen Nationaltheaters in Weimar, den Mitgliedern der NSDAP Goethes Bedeutung als »Erzieher zu Volkstum, Führertum und Nation«. Ziegler (in Uniform) im damaligen Goethe-Park (heute Englischer Garten) in Meiningen anlässlich der Enthüllung eines Denkmals für den Komponisten Max Reger (1873–1916) am 11. April 1937. (v.l.n.r.) Der Dirigent Carl-Maria Artz (1887–1963), Prinz Georg von Sachsen-Meiningen (1892–1946), Ziegler, Elsa Reger (1870–1951).

»Weimarer Bildersturm«

Ziegler war als Kulturreferent in der Landesregierung einer der Verantwortlichen für den »Weimarer Bildersturm« vom Oktober 1930 gewesen. Bei diesem wurden nicht nur Bilder von Barlach, Dix, Emil Nolde und Kokoschka aus den Museen der Stadt entfernt, sondern auch die Wandgemälde und Reliefs des Bauhausmeisters Oskar Schlemmer im Treppenhaus des Van-de-Velde-Baus der damaligen Staatlichen Bauhochschule Weimar, der heutigen Bauhaus-Universität, zerstört. Entstanden waren diese anlässlich der Bauhaus-Ausstellung im Jahr 1923, die Kirszenbaum als Studienanfänger erlebt hatte.

Van-de-Velde-Bau, Bauhaus-Universität Weimar, Foto: Carolin Klemm
Völkischer Verlag, Düsseldorf, 1939 © Deutsches Historisches Museum, Berlin
»Entartete« Musik

Ziegler war ab 1933 als Staatsrat Mitglied der Landesregierung Thüringens und wurde 1936 Generalintendant des Deutschen Nationaltheaters. In Anlehnung an die Ausstellung »Entartete Kunst« (1937) organisierte er 1938 die Wanderausstellung »Entartete Musik«, die sich vor allem gegen Jazz und die Musik jüdischer Künstler und Komponisten richtete. Das Deckblatt der Ausstellungsbroschüre zeigte die Karikatur eines schwarzen Jazzmusikers, der einen Davidstern im Knopfloch trägt.

Christian T. Barth: Goebbels und die Juden. Paderborn 2003.

Albrecht Dümling: Unter Berufung auf Goethe, Wagner und Hitler. Hans Severus Ziegler und die ideologischen Wurzeln seiner Ausstellung »Entartete Musik«. In: Hanns-Werner Heister (Hg.): »Entartete« Musik 1938 – Weimar und die Ambivalenz, Teil 2, Saarbrücken 2001, S. 496–516.

Hiltrud Häntzschel: »Hitler bei Betrachtung von Goethes Schädel«. Das Goethe-Jahr 1932 in der populären Presse. Erstpublikation: Galerie. Revue culturelle et pédagogique 26 (2008), H. 1, S. 50–77.
Online: https://www.google.com/search?client=firefox-b-d&q=www.goethezeitportal.de+%E2%80%BA+wiss+%E2%80%BA+goethe+%E2%80%BA+haentzschel_goethejahr_

Wolfram Huschke/Claas Cordes (Hg.): »Entartete Musik« 1999. Eine Antwort auf Hans Severus Ziegler. Weimar 1999.

Marcus Mühle: Ernst Röhm. Eine biografische Skizze. Berlin 2016.

Edwin Redslob: Goethes Leben. Berlin 1932.

Edwin Redslob: Von Weimar nach Europa. Erlebtes und Durchdachtes. (Erstausgabe Berlin 1972) Jena 1998.

Volker Wahl: Vor der Fürstengruft. Reichsgedenkfeier zu Goethes 100. Todestag 1932. In: Weimar–Jena: Die große Stadt, H. 5/1 (2012), S. 59–67.