Illustrationen im »Querschnitt« und im »Magazin für alle«

Für die Zeitschrift »Querschnitt« lieferte Kirszenbaum neben Karikaturen auch Illustrationen für verschiedene Artikel. Hier wurde die Urheberschaft anders als bei Kirszenbaums Karikaturen mit dem Namen des Künstlers gekennzeichnet. Es sind fast durchgängig Reminiszenzen an seine jüdische Herkunft aus einem von russischer Okkupation geprägten Teil Polens. Vermutlich wurden die Zeichnungen nicht speziell für die einzelnen Artikel in Auftrag gegeben, sondern lagen der Redaktion vor, die sie bei einem als passend erscheinenden Thema zur Bebilderung heranzogen.

Illustrationen im »Querschnitt« und im »Magazin für alle«

Für die Zeitschrift »Querschnitt« lieferte Kirszenbaum neben Karikaturen auch Illustrationen für verschiedene Artikel. Hier wurde die Urheberschaft anders als bei Kirszenbaums Karikaturen mit dem Namen des Künstlers gekennzeichnet. Es sind fast durchgängig Reminiszenzen an seine jüdische Herkunft aus einem von russischer Okkupation geprägten Teil Polens. Vermutlich wurden die Zeichnungen nicht speziell für die einzelnen Artikel in Auftrag gegeben, sondern lagen der Redaktion vor, die sie bei einem als passend erscheinenden Thema zur Bebilderung heranzogen.

Querschnitt, 6 / 1926, H. 11, S. 833. © Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
Ein Jude als Guru

Unter dem Titel »Keyserling’s Tagore-Schau« berichtete 1926 die sozialdemokratische Landtagsabgeordnete Lily Pringsheim (1887–1954) über die Präsentation eines indischen Weisen im Schlossgarten zu Darmstadt, der besonders auch die Kinder beeindruckte. Da die Bildredaktion des »Querschnitts« vermutlich nicht über die Zeichnung eines Inders mit wallendem Bart verfügte, griff sie zur Illustration auf die Zeichnung eines älteren Mannes mit Kind von Kirszenbaum zurück, die allerdings einen Juden mit Gebetsschal, dem Tallit, zeigt.

Der nur scheinbar überwundene Stalin

Ein Harmonikaspieler illustriert einen Artikel von S. Dimitrijewski: »Stalin – Aufstieg eines Mannes«. Josef Stalin (1878–1953) war nach Lenins Tod 1924 uneingeschränkter Alleinherrscher der Sowjetunion geworden. Stalins Herrschaft war verbunden mit der brutalen Ausschaltung aller politischen Gegner und Millionen Toten unter der Zivilbevölkerung. Das Wirken »des furchtbarsten Despoten« sieht der Verfasser im Jahr 1931 als eine notwendige, aber eigentlich bereits »durchwanderte Etappe der Revolution«. In den folgenden zwei Jahrzehnten sollte Stalin jedoch noch zahllose weitere Schauprozesse oder das Massaker von Katyn an polnischen Offizieren und Intellektuellen im Jahr 1940 zu verantworten haben.

Querschnitt, 11. Jg. / 1931, H. 6, S. 367. © Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
Illustrationen für das »Magazin für Alle«

Für das kommunistische »Magazin für alle« illustrierte Kirszenbaum 1932 mehrere Erzählungen, für die im Titel unterschiedlich »Kirschenbaum« oder »Duwdiwani« als Künstler genannt wurden. Diese Illustrationen waren auf den Inhalt der jeweiligen Erzählung abgestimmt.

Magazin für Alle, 7. Jg. / Heft 4, April 1932, S. 16
Gottes gesetz?

Der ungarische Buchkünstler Nándor Pór (1898–1938?) beschreibt in einer Erzählung, wie ein tiefgläubiger jüdischer Metzger infolge persönlicher Interessen eines Rabbiners aus der Synagoge vertrieben wird und seine Existenz verliert.

Heimkehr

Willi Köhler (1907–1977) erzählt von einem Pfarrer, der während des Ersten Weltkriegs von der Kanzel herab schwer kriegsversehrte und traumatisierte Gemeindemitglieder als die »Schlechten« verunglimpft, denn die »Guten bleiben auf dem Feld der Ehre liegen«. Die Versehrten und ihre Familien verlassen daraufhin den Gottesdienst »als Demonstration gegen den Krieg und gegen den zum Krieg hetzenden Pfarrer«.

Magazin für Alle, 7 Jg. / Heft 12, Dezember 1932, S. 7

Laurence Danguy: L’ange de la jeunesse. La revue Jugend et le Jugendstil à Munich. Paris 2009.

Dietrich Grünewald: Studien zur Literaturdidaktik als Wissenschaft literarischer Vermittlungsprozesse in Theorie und Praxis. Zur didaktischen Relevanz von Satire und Karikatur. Verdeutlicht an der satirischen Zeitschrift Eulenspiegel / Roter Pfeffer 1928–1933. Gießen 1976.

Wilmont Haacke / Alexander von Baeyer (Hg.): Der Querschnitt – Facsimile Querschnitt durch den Querschnitt 1921–1936. Frankfurt a. M. 1977.

Heinz Lorenz: Die Universum-Bücherei. Geschichte und Bibliographie einer proletarischen Buchgemeinschaft. 1926–1939. Berlin 1996.

Peter de Mendelssohn: Zeitungsstadt Berlin. Menschen und Mächte in der Geschichte der deutschen Presse. Berlin 1959.

Dieter Schiller: »Propaganda als Waffe« – Kurt Kersten / Willi Münzenberg (= Pankower Vorträge 96). Berlin 2007.

Stephan Steins: Zur Geschichte der Roten Fahne 9. November 1918–2018. 100 Jahre Die Rote Fahne. In: Die Rote Fahne. Sozialistisches Magazin. 2018
Online: https://rotefahne.eu/Geschichte/#2000–2003.

Rolf Surmann: Die Münzenberg-Legende. Zur Publizistik der revolutionären deutschen Arbeiterbewegung 1921–1933. Köln 1982.

Eine laufend aktualisierte »Bibliographie Caricature & Comic« bei arthistoricum.net
Online: https://biblio.ub.uni-heidelberg.de/caricature/