Magazine mit Karikaturen von Jecheskiel David Kirszenbaum

Magazine mit Karikaturen von Jecheskiel David Kirszenbaum​

Jugend – Münchner illustrierte Wochenschrift für Kunst und Leben

Die »Jugend – Münchner illustrierte Wochenschrift für Kunst und Leben« wurde ab 1896 von Georg Hirt (1841 – 1916) als eine kunstgewerblich wie literarisch dem Jugendstil verpflichtete Zeitschrift herausgegeben. In den 1920er-Jahren hatte die Zeitschrift zunächst Probleme, sich auf die neuen Kunstströmungen einzulassen. Mit Beiträgen von Künstlern wie George Grosz (1893–1959) oder Jecheskiel David Kirszenbaum und Texten von Kurt Tucholsky (1890–1935) oder Erich Kästner (1899–1974) fand sie jedoch wieder das Interesse der Leser. Nach 1933 führte der Versuch einer abermaligen Anpassung – nun an das durch den Nationalsozialismus vorgegebene Kunstverständnis – angesichts mangelnder Leser schließlich 1940 zu ihrem Ende.

Jugend, Nr. 48 / 1932 Universitätsbibliothek Heidelberg

Juan Cardona Llados (1877–1957): Spanischer Tanz

ULK – Illustriertes Wochenblatt für Humor und Satire

»ULK« steht für Unsinn – Leichtsinn – Kneipsinn. Diese Zielsetzung griffen die Berliner Verleger Rudolf Mosse (1843–1920) und Siegmund Haber (1835–1895) auf bei der Namensgebung für den ab 1872 erscheinenden »ULK. Illustriertes Wochenblatt für Humor und Satire«. Er war als eine Art preußisches Gegenstück zu der bereits seit 1845 in München erscheinenden satirischen Wochenschrift »Fliegende Blätter« konzipiert. Der »ULK« nahm regelmäßig zu den aktuellen politischen und gesellschaftlichen Themen Stellung. Er erschien jeweils donnerstags als eine Gratisbeilage zum »Berliner Tagblatt« und ab 1910 auch zur »Berliner Volks-Zeitung«. Ab 1922 erschien der »ULK« als selbständige Publikation. Nach dem Konkurs des Mosse-Konzerns im Jahr 1932 wurde das Erscheinen des »ULK« eingestellt.
Als Chefredakteur des »ULK« arbeitete von 1918 bis 1920 Kurt Tucholsky (1890–1935) und veröffentlichte eigene Beiträge unter den Pseudonymen Kaspar Hauser, Peter Panter, Theobald Tiger und Ignaz Wrobel. Als Künstler arbeiteten neben Jecheskiel David Kirszenbaum auch Heinrich Zille (1858–1929), George Grosz (1893–1959) und Lyonel Feininger (1871–1956) für die Zeitschrift.

Karikaturist: Gerhard Holler. ULK, 55. Jg. / H. 49, 10.12.1926

Angesichts der heftigen Diskussionen um ein teilweise als Zensur verstandenes »Gesetz zur Bewahrung der Jugend vor Schund- und Schmutzschriften« zeigt das Titelbild des »ULK« vom 10. Dezember 1926 Reichsinnenminister Wilhelm Külz (1875–1946), dem Goethe und Schiller von dem Weimarer Denkmal herab ihren Lorbeerkranz überreichen. Das Gesetz wurde am 18. Dezember 1926 erlassen.

Roter Pfeffer

Das Magazin »Roter Pfeffer« erschien ab 1932 bis zu seinem Verbot im Februar 1933 als Nachfolgemagazin der 1928 gegründeten Satirezeitschrift »Eulenspiegel«. Mit ihrem Erscheinen sollte ein kommunistisches Gegengewicht zu den entsprechenden Magazinen der bürgerlichen Pressekonzerne wie Ullstein (»Der Querschnitt«) und Rudolf Mosse (»ULK«) sowie dem »Simplicissimus« gebildet werden.

Roter Pfeffer, Nr. 3, 15.3.1932. Karikatur: Alfred Beier-Red (1902–2001), Deutsches Historisches Museum, Berlin

Die Titelseite der Ausgabe zur Reichspräsidentenwahl 1932 zeigt v.l.n.r. die Köpfe von Paul von Hindenburg (1847–1934), Adolf Hitler (1889–1945) und Kronprinz Wilhelm von Preußen (1882–1951), dessen Kandidatur von der DNVP ebenfalls erwogen worden war, was letztlich aber am Verbot durch den ehemaligen Kaiser Wilhelm II. scheiterte.

Die Rote Fahne

In den Revolutionswirren wurde »Die Rote Fahne« am 9. November 1918 als Zeitung des »Spartakusbundes« gegründet und am 1. Januar 1919 das Zentralorgan der inzwischen entstandenen »Kommunistischen Partei Deutschlands« (KPD). Die Schriftleitung hatten neben anderen zunächst Karl Liebknecht (1871–1919) und Rosa Luxemburg (1871–1919). Nach dem Verbot der Zeitung durch das NS-Regime 1933 erfolgte die Produktion der im Widerstand verteilten Exemplare bis zum Kriegsbeginn 1939 teilweise im Ausland. Helen Ernst (1904–1948), George Grosz (1893–1959) und John Heartfield (1891–1968) gestalteten neben Kirszenbaum Grafiken und Karikaturen. Diese sind in den wenigsten Fällen signiert, was eine Zuordnung zu den einzelnen Künstlern erschwert. Diese Maßnahme diente vermutlich dem Schutz der Karikaturisten vor möglichen Übergriffen politischer Gegner.

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Die Rezension der Arbeiten Kirszenbaums durch den Kulturredakteur und Kunstkritiker Alfred Durus (Pseudonym von Alfréd Kemény, 1895–1945) in der »Roten Fahne« vom 5. November 1931 verortete den Künstler weltanschaulich in einem »Uebergangsstadium zwischen [jüdischer] Mystik und Marxismus«.

Der Querschnitt

»Der Querschnitt« wurde 1921 von dem Kunsthändler Alfred Flechtheim (1878–1937) zunächst als Mitteilungsblatt seiner Galerien in Düsseldorf und Berlin gegründet. Ab 1924 wurde es von Hermann Ullstein (1875–1943) als Zeitschrift im »Propyläen-Verlag« herausgegebenen. Diese wandte sich mit Berichten über moderne Kunst und Literatur an ein sich eher als elitär verstehendes Publikum. »Der Querschnitt« hatte häufig einen ironischen Unterton, verhielt sich aber in politischer Hinsicht weitgehend neutral.
Die Weltwirtschaftskrise 1929 wie auch die Machtübernahme 1933 durch das NS-Regime verursachten erhebliche Rückgänge bei den Auflagen, zumal alle namhaften Texter und Grafiker ins Exil gegangen waren. Das Verlagsunternehmen der Familie Ullstein wurde 1934 »arisiert«. Der Verleger Edmund Franz von Gordon (1901–1986) versuchte ab 1935 trotz der politischen Zwänge an die früheren Erfolge anzuknüpfen. Als er jedoch im September 1936 ein satirisches »Fremdwörterbuch« veröffentlichte, in dem gleich zu Beginn der Begriff »Absurd« mit »wenn einer noch auf bessere Zeiten hofft« erläutert wurde, erfolgte ein Verbot des Satire-Magazins durch Joseph Goebbels (1897–1945), dem Minister für Volksaufklärung und Propaganda im NS-Staat.

Der Querschnitt, 11 / 1931, H. 8. Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden

Henri de Toulouse-Lautrec (1864–1901): Lithographie nach seinem Plakat von der
Revuetänzerin Jane Avril (1868–1943), 1892

Magazin für alle

Im Oktober 1926 gründete der in Erfurt geborene und aufgewachsene Willi Münzenberg (1889–1940) im Auftrag der »Internationalen Arbeiterhilfe« (IAH) neben dem »Bücherkreis der Sozialdemokratie« und der »gewerkschaftlichen Büchergilde Gutenberg« den »Verlag Universum Bücherei für alle G.m.b.H.« als kommunistische Buchgemeinschaft.
Als monatliche Gabe an die Mitglieder wie für den freien Verkauf wurden die Zeitschrift »Blätter für alle« herausgegeben, die später in »Magazin für alle« umbenannt wurde und eine Auflage von 132.000 Exemplaren erreichte.
In Deutschland wurden nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten 1933 alle von der IAH herausgegebenen Druckerzeugnisse verboten.

7. Jg. / H. 4, April 1932, Herzogin Anna Amalia-Bibliothek, Weimar

Laurence Danguy: L’ange de la jeunesse. La revue Jugend et le Jugendstil à Munich. Paris 2009.

Dietrich Grünewald: Studien zur Literaturdidaktik als Wissenschaft literarischer Vermittlungsprozesse in Theorie und Praxis. Zur didaktischen Relevanz von Satire und Karikatur. Verdeutlicht an der satirischen Zeitschrift Eulenspiegel/Roter Pfeffer 1928–1933. Gießen 1976.

Wilmont Haacke und Alexander von Baeyer (Hg.): Der Querschnitt – Facsimile Querschnitt durch den Querschnitt 1921–1936. Frankfurt/M 1977.

Ursula E. Koch: Der Teufel in Berlin. Von der Märzrevolution bis zu Bismarcks Entlassung. Illustrierte politische Witzblätter einer Metropole 1848–1890, Köln 1991.

Stephan Steins: Zur Geschichte der Roten Fahne 9. November 1918 – 2018. 100 Jahre Die Rote Fahne. In: Die Rote Fahne. Sozialistisches Magazin. 2018 https://rotefahne.eu/Geschichte/#2000-2003.